Band 2 der Problems-Reihe im Redaktionstest: emotionaler New-Adult-Roman mit Dual POV, Second-Chance-Trope und hohem Fokus auf Figurenentwicklung und Aufarbeitung.
Einleitung
Mit Was wir verloren glaubten liegt der zweite Band der Problems-Reihe als New-Adult-Titel vor, der klar auf emotionale Fallhöhe, Beziehungsdynamik und Figurenentwicklung setzt. Im Test wurde ein Roman vorgefunden, der das Second-Chance-Trope in den Mittelpunkt stellt und dabei stärker character-driven als plot-driven erzählt. Der Band ist als Teil einer Trilogie ausgewiesen, funktioniert in seiner Kernhandlung jedoch als eigenständige Geschichte mit abgeschlossenem Spannungsbogen und klarer romantischer Zielrichtung (HEA-Konventionen des Genres werden bedient, ohne sich in reine Wohlfühlroutine zu flüchten).
Als Zielgruppe werden Leserinnen und Leser angesprochen, die in New Adult weniger den schnellen Twist als vielmehr die psychologische Nachzeichnung von Verletzungen, Schuld, Reifeprozessen und Nähe-Distanz-Konflikten suchen. Der Titel eignet sich als Comfort Read für alle, die sich auf intensive Innenansichten einlassen möchten – ein typischer Kandidat, der schnell auf dem SuB landen kann, wenn emotionale Romance-Settings bevorzugt werden.
Produktvorstellung
Getestet wurde die Kindle-Ausgabe aus dem Programm von LYX.digital. Das E-Book wird mit aktivierter Funktion für verbesserten Schriftsatz sowie PageFlip ausgeliefert; ein Screenreader wird unterstützt. X-Ray und Word Wise sind nicht aktiviert. Inhaltlich handelt es sich um Buch 2 von 3 innerhalb der Reihe, wobei die Erzählung auf ein neues Figurenpaar fokussiert und damit den Einstieg ohne zwingende Vorkenntnisse grundsätzlich ermöglicht.
Im Test zeigte sich die Ausgabe als sauber gesetztes, unkompliziert zu navigierendes E-Book, das auf gängigen Lesegeräten und Apps stabil lief. Der Umfang entspricht einer Printseitenzahl von 465 Seiten, was für das Subgenre im oberen Mittelfeld liegt.
Ein Abend, an dem jede Seite nach Nähe, Mut und Neuanfang klingt.
11,00 €
Ganze Buchbeschreibung ansehenFakten & bibliografische Daten
- Titel: Was wir verloren glaubten (Problems-Reihe 2)
- Verlag: LYX.digital
- Erscheinungstermin: 31. Januar 2025
- Sprache: Deutsch
- Umfang: 465 Seiten (Printangabe)
- ISBN-13: 978-3736322899
- Format (Test): Kindle/E-Book
- Dateigröße: 1,5 MB
Optik & Gestaltung
Das Coverdesign ordnet den Titel klar im New-Adult-/Romance-Regal ein: eine zurückhaltend-romantische, modern wirkende Gestaltung, die eher auf Stimmung als auf konkrete Szenenabbildung setzt. Im Test wurde eine passende Tonalität transportiert: emotional, ernsthaft, mit einem Hauch Melancholie. Für die digitale Ausgabe ist vor allem relevant, ob Cover und Kapitelstruktur sauber eingebunden sind – beides war der Fall.
Illustrationen oder grafische Zusatzelemente im Innenteil wurden nicht als Schwerpunkt angelegt. Stattdessen wird mit klassischer Kapitelgliederung gearbeitet, wodurch der Lesefluss nicht durch Layout-Spielereien gebremst wird.
Ein kurzer Blick in „Was wir verloren glaubten“ zeigt, ob sich diese Stimmen wirklich nach dir anfühlen.
Buchgestaltung und Leseprobe ansehenVerarbeitung & Lesekomfort
Der verbesserte Schriftsatz wirkte sich im Test positiv auf Wortabstände, Silbentrennung und insgesamt ruhiges Schriftbild aus. Gerade bei längeren Lesesessions zeigte sich dies als Vorteil: Das Auge ermüdet langsamer, Zeilenumbrüche wirken weniger hektisch. Die Navigation über Inhaltsverzeichnis und Positionsanzeige funktionierte zuverlässig; PageFlip erleichtert das schnelle Zurückspringen zu markierten Stellen, etwa bei Rückbezügen auf frühere Dialoge oder Details.
Typische E-Book-Stolpersteine – fehlerhafte Absatzmarken, inkonsistente Anführungszeichen oder unruhige Leerzeilen – traten im Test nicht nennenswert auf. Insgesamt wurde eine solide digitale Verarbeitung geboten, die dem Preisniveau der Ausgabe entspricht.
Vorteile
- Emotional dichtes, character-driven Erzählen
- Stimmige Dual-POV-Struktur mit klarer Stimmen-Trennung
- Konsequente Themenarbeit statt reiner Romance-Formel
- Gutes Tempo über weite Strecken trotz Umfang
Nachteile
- Dramatikspitzen häufen sich im Mittelteil und wirken stellenweise konstruiert
- Wer plot-driven Spannung sucht, könnte einzelne Passagen als zu introspektiv empfinden
Praxiseindruck
Inhaltlich wird eine Second-Chance-Romance erzählt, die sich auf zwei Hauptfiguren konzentriert und deren gemeinsame Vergangenheit als emotionalen Motor nutzt. Im Test überzeugte vor allem die konsequente Fokussierung auf innere Konflikte und die Frage, wie Versäumnisse, alte Verletzungen und familiäre Lasten in die Gegenwart hineinwirken. Der Roman arbeitet mit einer klaren emotionalen Agenda: Nähe entsteht nicht durch Zufall, sondern durch Konfrontation mit dem, was lange verdrängt wurde.
Erzählt wird in Dual POV. Diese Struktur erwies sich als funktional und mehr als bloßes Genre-Standardwerkzeug: Die Stimmen der beiden Perspektiven wurden hinreichend unterscheidbar angelegt, sodass Szenenwechsel nicht nur Informationsgewinn, sondern auch emotionale Brechung erzeugen. Besonders in Konfliktpassagen entsteht dadurch ein Mehrwert, weil Missverständnisse und Schutzmechanismen beider Seiten nachvollziehbar bleiben.
Das Erzähltempo ist über weite Strecken ausgewogen. Ein klassischer Slow Burn wird nicht maximal ausgereizt, aber die Annäherung wird auch nicht überhastet „abgearbeitet“. Stattdessen wird die Beziehung als Prozess dargestellt, der Rückschritte zulässt. Positiv fiel auf, dass Dialoge häufig als Träger von Subtext funktionieren: Gesagtes und Gemeintes klaffen auseinander, ohne dass dies ständig erklärt werden muss.
Gleichzeitig zeigte sich im Test eine typische Schwäche vieler emotionaler New-Adult-Titel: Im Mittelteil werden Dramatikspitzen relativ eng getaktet. Das steigert kurzfristig die Intensität, kann aber punktuell den Eindruck erzeugen, dass Konflikte eher arrangiert als organisch eskaliert werden. Wer eine ruhigere, stärker alltagsnahe Entwicklung bevorzugt, könnte diese Verdichtung als zu kalkuliert empfinden.
Stärken werden dort sichtbar, wo die Geschichte ihre ernsten Themen nicht als bloße Kulisse nutzt. Belastungen aus Kindheit und Jugend werden als prägende Faktoren ernst genommen; daraus entstehen glaubwürdige Schutzstrategien, die die Figuren nicht automatisch „sympathisch“, aber nachvollziehbar machen. Der Roman bleibt dabei im Kern romantisch, verschiebt den Fokus jedoch spürbar in Richtung Heilung, Verantwortung und Grenzen – Aspekte, die dem Genre häufig gut stehen, wenn sie nicht moralisierend erzählt werden.
Der Tonfall ist insgesamt emotional und zugänglich, ohne in ständige Überhöhung abzugleiten. Einzelne Passagen sind stark introspektiv; das kann bei entsprechender Erwartung als Pluspunkt gelten, verlangt aber Aufmerksamkeit. Für Leserinnen und Leser, die primär nach äußeren Plot-Impulsen suchen, kann sich das stellenweise wie ein verlangsamter Vortrieb anfühlen – ein DNF-Risiko entsteht daraus im Test nicht zwingend, aber eine klare Genre-Passung ist hilfreich.
Vergleich & Einordnung
Innerhalb des New-Adult-Spektrums positioniert sich Was wir verloren glaubten näher an emotionalen, trauma-sensiblen Romance-Erzählungen als an campuslastigen, humorbetonten Feel-Good-Formaten. Das Buch arbeitet weniger mit High-Concept-Prämissen, sondern mit Beziehungsarbeit, familiären Hintergründen und der Frage, wie Reife entsteht, wenn alte Muster aufbrechen.
Als Reihenband ist der Titel so konstruiert, dass er eigenständig gelesen werden kann: Die zentrale Liebesgeschichte wird abgeschlossen, offene Fäden werden nicht als Cliffhanger missbraucht. Dennoch wird eine Reihenatmosphäre spürbar, weil Nebenfiguren und Setting als verbindendes Gewebe dienen. Für Genre-Fans kann genau das den Reiz ausmachen: ein vertrauter Kosmos, in dem neue Paare im Vordergrund stehen, ohne dass jedes Mal ein kompletter Neustart nötig ist.
Im Vergleich zu stärker „spicy“ ausgerichteten New-Adult-Titeln setzt dieser Band im Test eher auf emotionale Intensität als auf explizite Szenen. Romantik und körperliche Anziehung sind vorhanden, werden jedoch nicht als Hauptverkaufsargument ausgespielt, sondern als Teil einer Beziehung, die erst tragfähig werden muss.
Preiseinschätzung
Der angegebene Preis von rund 11 Euro positioniert die Kindle-Ausgabe im üblichen Rahmen aktueller Digitalveröffentlichungen im New-Adult-Segment. Angesichts des Umfangs, der sauberen E-Book-Umsetzung und der insgesamt tragenden Dramaturgie wirkt das Preisniveau im Test vertretbar. Ein besonderer Mehrwert durch Zusatzmaterial (Bonuskapitel, Illustrationen, interaktive Funktionen) wird nicht geboten; die Leistung liegt klar im Text und dessen sauberer Aufbereitung.
Fazit
Was wir verloren glaubten (Problems-Reihe 2) zeigt sich im Test als emotionaler, handwerklich solide erzählter New-Adult-Roman, der das Second-Chance-Trope mit ernsthaften Themen verknüpft und dabei auf nachvollziehbare Figurenentwicklung setzt. Die Dual-POV-Erzählweise unterstützt die psychologische Tiefe, der Lesefluss bleibt dank sauberer digitaler Umsetzung hoch. Einschränkungen ergeben sich vor allem dort, wo die Dramatisierung im Mittelteil etwas dicht ausfällt und die Geschichte stärker nach innen als nach außen erzählt wird.
Empfohlen wird der Titel für Leserinnen und Leser, die character-driven Romance mit emotionaler Wucht suchen, sich auf introspektive Passagen einlassen und eine Reihe mögen, deren Bände eigenständig funktionieren, aber in einem gemeinsamen Kosmos verankert bleiben. Als Ergänzung fürs TBR ist der Band vor allem dann passend, wenn ein intensiver, nicht rein plotgetriebener Lesemarathon erwartet wird.
Für alle, die Second-Chance lieben und Figuren beim Heilen begleiten möchten, ist dieser Band ein echtes Zuhause.
11,00 €
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